Wenn Ankommen mehr braucht als Mut

Teil 2 meiner Geschichte

Ich dachte, die grösste Hürde wäre die Sprache selbst. Es war etwas Leiseres, das mich viel mehr getroffen hat.

Verstanden werden ist nicht dasselbe wie gesehen werden

Als wir versucht haben, erste Kontakte in der Nachbarschaft zu knüpfen, konnte ich mich zwar auf Englisch verständigen. Aber ich habe schnell gemerkt, wie frustrierend es ist, wenn man zwar verstanden wird – und trotzdem das Gefühl hat, nicht wirklich gesehen zu werden. Ich wollte zeigen, wer wir sind, was uns hierher gebracht hat, was uns wichtig ist. Und irgendwie kam davon immer nur ein Bruchteil an.

Das hat sich einsamer angefühlt, als ich erwartet hatte. Nicht dramatisch, nicht laut – eher wie eine leise Distanz, die sich nicht so einfach überbrücken liess, egal wie sehr man sich bemühte.

Formulare, Fristen und das Gefühl, um etwas bitten zu müssen

Dann kam eine andere Art von Ohnmacht dazu: Als Schweizerin brauchte ich einen Migrationsantrag – die Schweiz ist ja kein EU-Land. Die Behörden hier sprechen nur Schwedisch oder Englisch, und plötzlich sass ich vor Formularen, bei denen ich mich fühlte wie jemand, der um etwas bitten muss, das für andere selbstverständlich ist.

Dieses Gefühl, abhängig von Papieren und Fristen zu sein, über die ich keine Kontrolle hatte, war schwerer auszuhalten, als ich gedacht hätte. Es ist eine besondere Art von Hilflosigkeit – nicht körperlich, sondern administrativ. Und trotzdem nicht weniger real.

Das leise Grundrauschen im Hintergrund

Und im Hintergrund läuft leise noch etwas anderes mit: Wir leben aktuell von unseren Reserven. Ich spreche selten darüber, aber es ist da – dieses feine Grundrauschen aus Unsicherheit, das einen begleitet, auch an guten Tagen. Nicht Panik, aber ein Wachsein, das nie ganz aufhört.

Was mich trägt

Was mich bisher trägt, ist keine grosse Gewissheit, dass alles gut wird. Es ist eher ein leiser Vertrauensvorschuss an mich selbst – dass ich auch das schaffen werde, so wie ich schon anderes geschafft habe.

Genau dieses Gefühl – zwischen Unsicherheit und leisem Vertrauen – ist auch das, was mein Bild „Vertrauen“ für mich einfängt. Es ist kein Bild von Zuversicht ohne Zweifel, sondern eines, das beides gleichzeitig aushält.

Das ist Teil 2 meiner Serie über den Weg von der Schweiz nach Schweden. In Teil 3 erzähle ich von den schönsten Momenten auf dieser Reise – denn nicht alles daran war schwer.

Bild: „Vertrauen“, 2026 – eigenes Werk

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